Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt

Mein Über-Engagement, meine sehr dünne Haut bezüglich Verletzungen, und die Tatsache dass ich als Mama und Hausfrau nur noch zu 80 Prozent „funktionierte“, führten schließlich zu fast täglichen Streitereien mit meiner Familie. Dazu kam, dass ich mir erst aus Lust, später aus Frust fast täglich ein Glas Wein oder Sekt „gönnte“. Der Alkohol ließ mich abschalten, denn ich hatte schon länger Schlafprobleme. Kurz vor Weihnachten im letzten Jahr wusste ich schon, dass ich mich übernommen hatte. Ich war sehr engagiert in der Flüchtlingshilfe und oftmals todtraurig und schnell reizbar zuhause. Dennoch führte ich, zusammen mit Freunden und Spendern, die Weihnachtsgeschenke Aktion für mehrere Migrationsfamilien durch. Danach pausierte ich. Weihnachten und der Einstieg ins Neue Jahr verliefen ruhig und weitestgehend ohne Streit. Wenn ich heute zurück sehe und Bilder aus dieser Zeit anschaue, sehe ich zwei glückliche Menschen. Doch Glück ist nur der Moment.

Menschen in Not zu helfen tut gut

Nach meinem letzten Sommerurlaub im vergangenen Jahr den ich, auf Wunsch unserer jüngsten Tochter mit ihr, an der mondänen Côte D’Azur verbrachte, stieg ich mit Herz und Seele in die Flüchtlingshilfe ein. Von Cannes ins saarländische Aufnahmelager war es ein gewaltiger Sprung. Ich fühlte mich miserabel bei dem Gedanken wieviel Geld ich in Südfrankreich gelassen hatte, und was ich hier alles Gutes damit hätte tun können. Ich nahm mich zweier Jungs an, die mir sehr ans Herz wuchsen. Mit anderen Ehrenamtlichen sammelte ich Kleidung, Spielzeug, Hygieneartikel, und wir fuhren mindestens einmal wöchentlich ins Lager um die Spenden dort zu verteilen. Wir fragten den Bedarf ab und sammelten. Das war ein enormer, logistischer Aufwand. Unsere Garage diente als Zwischenlager. Ich fühlte mich so mit diesen Menschen verbunden,  dass ich meine Zeit lieber Ihnen als meiner Familie schenkte. Ich bat um Verständnis, denn schließlich war das ein Notfall. Ich appellierte an die Menschlichkeit meiner Familie, und solange ich alles andere zuhause noch regeln konnte waren sie auch bereit mich zu teilen. Ich gründete eine Patenschaftsgruppe bei Facebook, meldete mich bei der Stadt als Ehrenamtliche und versuchte weiterhin nicht nur mit materiellen Dingen, sondern auch mit Unterstützung bei Telefonaten oder Behördengängen, oder Arztbesuchen zur Seite zu stehen. Die Ungerechtigkeiten die diesen Menschen, nicht nur in ihrem Land sondern auch hier , widerfuhren führten zu einem Engagement meinerseits, welches mich an den Rand meiner psychischen Kräfte brachte. Ich litt so sehr mit Ihnen, und mein Herz blutete.

Ohne Pforten

Lass mich wandern ohne Schuhe, laufen lerne ich von allein. Muss ich stolpern, Steine suchen, Mut kann nur auf Angst gedeihen. Halt mir Türen ruhig verschlossen, Sehnsucht stört sich an Schlössern nicht. Kann ich atmen, bangen, hoffen, ohne Pforten alle Ängste sind erlischt.

  Verzeihen

Wenn du glaubst deinen Weg verloren zu haben, dein Herz weint und deine Seele brennt.
Wenn der Schmerz dich nicht schlafen lässt, und du an deinen Selbstzweifeln zu zerbrechen scheinst.
Dann fasse Mut und schau ganz tief in dich hinein. Und sieh dass du soviel mehr bist als nur dein Spiegelbild.
Verzeih dir deine Fehler, und du wirst Frieden finden.

(C) Text und Foto: Daniela H.

Daniela und die Dunkelheit

Daniela und die Dunkelheit

Wenn sich ein Weg schließt dann öffnet sich ein neuer.
Heute ist ein ganz besonderer Tag, heute schließt sich der Kreis. Mein langer Weg zurück ins Leben endet hier und heute. Ein neuer Weg hat sich mir schon erschlossen. Die meisten von euch kennen mich als lebenslustige, hilfsbereite Frau, Mama, Ehefrau , Migrationshelferin, Arbeitstier, oder gute Gesellschafterin bei Hardrockmusik und Aperol Spritz. All das kann ich sein und bin ich. Doch ich bin auch die andere Seite, die ich „die Dunkelheit“ nenne.

Mein Name ist Daniela und ich leide unter Depressionen

Vor sechs Jahren hatte ich einen Unfall, nichts Großes, Miniskusabriss. Danach war alles anders. Mit meinem Job verlor ich die Kontrolle über mein Leben. Ich, die glaubte immer alles im Griff zu haben. Angst-und Panikattacken folgten. Zum besseren Verständnis für diejenigen unter euch die mit dieser psychischen Erkrankung nichts anfangen können: Es fühlt sich an wie tausend Tode sterben, und das mehrfach täglich. Herzrasen und Herzengegefühl, Schweißausbrüche, Übelkeit, Durchfall, Schwindelanfälle. Zweimal landete ich mit Verdacht auf Herzinfarkt in der Notaufnahme. Weder meine Familie, noch meine Ärztin, oder mein Psychotherapheut konnten mich anfangs davon überzeugen, dass ich körperlich völlig gesund war. Ich litt Höllenqualen und meine Familie mit mir. Als dann nach Monaten die Verhaltenstherapie endlich anschlug und die Angstattacken weniger wurden, fiel ich in eine tiefe Depression.
Nichts ist schlimmer als nichts fühlen.

Wie erklärt man jemandem wie sich „nichts fühlen“ anfühlt? Ich konnte nicht mehr aus dem Bett aufstehen, meine Kinder, meine Familie , mein Leben, alles war weit weg von mir. Ich lag hinter einer Wand im Nichts, und davor war mein Leben. Das erste Mal dachte ich an Selbstmord. Mit Hilfe meiner Familie, einer Tiefenspychologin und einem Funken Lebenswillen gelang es mir, innerhalb von eineinhalb Jahren, mit langsamen Schritten, den Weg in ein „normales“ Leben zurück zu gehen. Dann starb an Heiligabend vor vier Jahren ganz plötzlich meine Mama.
Wenn der Tod naht sind alle Schmerzen der Kindheit vergessen und verzeihen ganz leicht.

Zu meiner Mama hatte ich jahrelang ein sehr ambivalentes Verhältnis. Viele Jahre meiner Kindheit und Jugend erlebte ich meine Mama als tief depressive, Alkohol -und Tabletten abhängige Frau, die sich meinem Vater gegenüber sehr devotisch verhielt und die über keinerlei Selbstbestimmung verfügte. Ich machte schon mit 14 Jahren wozu ich Lust hatte. Meine Mutter konnte sich nicht kümmern, mein Vater wollte nicht. Er war mit arbeiten gehen, trinken, Spielsucht und anderen Frauen beschäftigt. Mit 16 war ich dann zum ersten Mal schwanger.Dabei spielte das weitere Verhältnis zu meiner Mama, ab der Geburt meiner Tochter, eine entscheidende Rolle für meine Gefühle zu ihr auf dem Totenbett. Und somit auch ob ich nach ihrem Tod in die nächste depressive Phase fallen würde. Meine Mama war eine tolle Oma. Alles was sie meiner Schwester und mir nicht geben konnte bekamen ihre Enkelkinder. Als meine Mama im Sterben lag hatte ich ihr schon längst verziehen, dass sie für mich als Kind selten da war. So begleitete ich sie voller Liebe die letzten Tage vor ihrem Tod.

Alle Schmerzen der Kindheit waren vergessen, doch gegen die Dämonen die mich danach heimsuchten war ich machtlos.
Himmel im Herzen
Ein schwarzes Nichts, den Boden verloren, kein Ende in Sicht und kein Licht. Der Tunnel zu lang um anzukommen, so endlos die Tiefen der Nacht. Aus der Unendlichkeit bin ich geboren. Wo finde ich Sinn, wo gehe ich hin? Nur der Himmel im Herzen, die höhere Macht, lässt mich Hoffen und Warten auf das Ende der Nacht.

Die Dämonen der Kindheit

Durch meine beiden Therapien gestärkt schaffte ich es die Beerdigung meiner Mama, und alles was es sonst zu regeln gab, ohne einen Rückfall, zu überstehen. Ich war meinem Papa eine Stütze, versorgte seinen Haushalt und kochte für ihn bei uns Zuhause mit. Drei Monate nach dem Tod meiner Mama erlitt er einen Herzinfarkt, den er nur knapp überlebte. Danach veränderte sich unser Leben wieder schlagartig. Ich regelte die bürokratischen Dinge, wie Vorsorgevollmacht, führte Gespräche mit Ärzten und überlegte wie es für Papa und uns zusammen weiter gehen könnte. Für meinen Mann war schnell klar, dass wir Papa in unser Zuhause holen sollten, ich hatte berechtigte Zweifel. Mein Vater ist ein sehr selbstbezogener Mann, der sich wenig um die Gefühle seiner Frau gekümmerte hatte. Ich spürte, dass ich ihm das Verhalten meiner Mama gegenüber nachtragen würde. Deshalb zweifelte ich sehr daran, dass ein Zusammenzug mit ihm gut für den Familienfrieden sei. Dennoch beschlossen wir ihn zu uns zu nehmen. Nach seiner Rehabilitation war er wieder in einer guten körperlichen Verfassung, und er wäre vielleicht auch wieder alleine zurecht gekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich seinen Hausstand aber schon aufgelöst und es gab kein Zurück mehr.

Hätte ich mich nicht verbogen und auf mein Herz gehört, dann wäre dieser Kelch an mir vorbei gezogen. Damit fing meine Dunkelheit wieder an.
Die Lasten der Kindheit auf meinen Schultern schienen mich zu Boden zu drücken.
In den ersten zwei Monaten nach Papas Einzug in unsere Wohnung, stellten wir ihm unser Schlafzimmer zur Verfügung und zogen ins Wohnzimmer. Das Zusammenrücken führte nicht zu Problemen. Vielmehr die Art und Weise wie er mich behandelte. Ich fühlte mich in die Rolle meiner Mama gedrückt, und dies wiederum machte mich wütend. Es kam zu Vorwürfen meinerseits gegenüber meinem Vater und ersten Diskussionen mit meinem Mann, der erst einmal nicht verstehen konnte warum ich mich so aufregte. Schließlich fanden wir ein wunderschönes Haus, in dem genug Platz für uns fünf war. Es schien auch Raum zum „für sich sein“ zu bieten, so dass es sich für uns anfühlte als ob dies ein Weg zum besseren Miteinander sei. Meinem Vater ging es gesundheitlich nicht sehr gut. Ich bemühte mich und sprach mit den Ärzten in verschiedenen Krankenhäusern, damit man ihm, aufgrund starker Durchblutungsstörungen, nicht eines seiner Beine amputierte. Innerhalb weniger Monate wurden ihm mehrere Zehen abgenommen. Er tat mir sehr leid und ich schaffte es vorübergehend meinen Groll zu vergessen. Ich liebte unser Haus und das Zusammensein dort mit meiner Familie. Doch fühlte ich mich oftmals sehr erschöpft von den ständigen Krankenhausbesuchen nach meiner Arbeit, den Arztgesprächen, dem Haushalt und den alltäglichen Auseinandersetzungen mit zwei pubertierenden Kindern. Doch wie sollte ich mir Freiraum zur Erholung schaffen? Heute weiß ich, dass ich viel zu hohe Selbstansprüche gestellt habe. Täglich den Kindern und meinem Vater drei frisch zubereitete Mahlzeiten servieren, das große Haus immer blitzeblank, versuchen konsequente und liebevolle Mama zu sein (was oftmals misslang). Ehefrau und Frau sein, das vergaß ich oft. Immer seltener gelang es meinem Mann und mir zueinander zu finden. Dazu ergriff mein Mann immer häufiger Partei für meinen Papa, wenn ich ihn barsch wegen seiner Art mir gegenüber zurecht wies. Heute weiß ich, dass ich anders hätte reagieren können. Aber ich steckte schon wieder so tief in meiner Dunkelheit, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Ich ließ zu, dass die Lasten meiner Kindheit mich langsam, aber stetig, zu Boden drückten, verbog mich, machte mich klein. Ich selbst hatte mich schon wieder dazu entschieden, dass andere Menschen Macht über mein Denken und Fühlen haben durften. In meiner Kindheit fühlte ich mich nicht geliebt, in meiner Jugend konzentrierte ich mich auf meine erste Tochter, mit all meiner Liebe. Und als Erwachsene war ich, aufgrund dessen, nicht in der Lage mich zu lieben und konnte somit auch die Liebe meines Mannes (die er, das weiß ich heute, zweifelsohne für mich hatte) nicht ohne an ihr zu zweifeln annehmen.

Wenn die Traurigkeit zurückkommt

Vor einigen Tagen hatte ich einen „Rückfall“ in meine Traurigkeit. Monatelang war ich scheinbar auf einem guten Weg. Dann spürte ich schon vor einigen Wochen manchmal wieder nur Leere. Dann vorgestern nur noch Trauer und Hoffnungslosigkeit. Von jetzt auf gleich war ich bereit die mühsam aufgebaute Stabilität hinzuwerfen. Mich wieder hinter meiner Nebelwand zu verstecken und mich sozial einzuigeln. Auch meine mir sehr gut tuende Beziehung war ich bereit zu beenden, um dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit noch mehr Raum zu geben. Meine Familie und mein Lebensgefährte fingen mich auf und halfen mir den Nebel zu durchdringen, diesmal…..18559020_1488873914497330_5654996551122519969_o

Nachfolgende Gedanken sind daraus entstanden:

Was kann ich tun wenn alle Hoffnung stirbt und aller Mut den Zweifeln weicht. Wenn die Traurigkeit, den Ängsten gleich, den Tag mir und den Atem nimmt. Hoffen auf Morgen? Dass alles Leid sich nun besinnt und mir die Dunkelheit von dannen nimmt? Oder liegen bleiben, dem Tod ins Auge sehen? Wer weiß das schon wohin wir gehen.

Gestern

Sie ist das was dich nachts nicht schlafen lässt.

Sie ist der Spiegel deiner Seele.

Sie hält an deiner Gegenwart fest.

Sie zeigt dir wer du bist

und dass sie immer bei dir ist.

Sie reißt tiefe Gräben in dir auf.

Gibt alles her und ist dein größter Feind.

Deine Vergangenheit ist das was dich mit dem Gestern vereint.

Daniela Courage (C)

Weitergehen

wp-image-1695752584jpg.jpegWenn dein Herz den Schmerz nicht mehr erträgt und die Risse in deiner Seele so tief wie der Ozean sind.
Der Wind von hinten weht und dir jedes Glück durch deine Finger rinnt.
Dann kannst du liegen bleiben und langsam sterben.
Oder aufstehen und deinen Schmerz ertragen, bis er nur noch ein Sandkorn in deinem Herzen ist.
Deine Seele sich neu finden lassen und dich dem Wind entgegen stellen.
Dann findet der Himmel dich von ganz alleine.

Text und Foto : Daniela Courage

Unendlichkeit

​Leben entsteht und Leben vergeht.

Das Jahr findet sein Ende.

Weiß nicht wohin mein Weg noch geht.

Gebe mich voll Vertrauen in meine Hände.

Wo der Tod einkehrt ist das Leben ganz nah.

Der Winter schwindet, der Frühling erblüht bald wunderbar.

Uns als unsterblich begreifen im Lauf der Zeit.

Dann sind wir für die Unendlichkeit bereit.

Text und Foto: Danieka H. (C)

Ich wünsche euch Frieden und Liebe in euren Herzen. Kommt gut in das Neue Jahr und bleibt gesund.

Loslassen 


Scheint mir nun genug Zeit vergangen um traurig zu sein. 

Das Leben hat mich wieder. 

Spanne meine Flügel weit,

bin neu erwacht.

Höre wieder traurige Lieder.

Lasse Nähe an mich heran,

treffe Freunde und habe Spaß dabei.

In Erwartung, dass die Liebe wieder zu mir findet ist mein Herz wieder frei.